Zwischen technischer Faszination und Patientennähe – die Arbeit in der Endoskopiepflege

Endoskopiepflegerin mit Endoskopen

Als Stephanie Beier zum ersten Mal einen Einblick in die pflegerische Arbeit in der Endoskopie erhalten hat, war sie direkt fasziniert. Inzwischen ist sie bereits seit 2014 fester Bestandteil des Endoskopieteams des St. Anna Hospital Herne. Doch was macht die Arbeit in der Endoskopiepflege für sie so besonders? 

Der Arbeitstag in der Endoskopie des St. Anna Hospital Herne beginnt für die Pflegekräfte um 7.30 Uhr mit der Vorbereitung der vier Untersuchungsräume. Dann wird das Programm in der Frühbesprechung mit den Ärzten besprochen: Welche Untersuchungen stehen an? Welche Instrumente werden gebraucht? Eine Endoskopische Untersuchung dauert zwischen 15 Minuten und 3 Stunden – je nachdem, ob es sich um eine einfache Magenspiegelung (Gastroskopie) bzw. Darmspiegelung (Koloskopie) oder um ein komplexeres Verfahren wie eine ESD oder ERCP handelt. Auch wenn die Art der Verfahren sich regelmäßig wiederholt, bleibt es immer spannend: „Jeder Tag ist anders, denn jeder Patient ist anders – auch von innen“, erzählt Stephanie Beier.

Verschiedene Rollen in der Endoskopie

Bei einer Endoskopie sind neben dem Patienten immer ein Arzt und zwei Pflegekräfte mit im Untersuchungsraum. Der Arzt führt das Endoskop und ist dafür verantwortlich, auf dem 4K-Bildschirm in jedem Untersuchungsraum Veränderungen zu erkennen. Die beiden Pflegekräfte haben sehr unterschiedliche, festgelegte Aufgaben: Die erste Pflegekraft ist für den Patienten zuständig, während die zweite Pflegekraft dem Arzt assistiert. 

Patientenbetreuung von A bis Z

Die erste Pflegekraft empfängt den Patienten im Untersuchungsraum, nimmt ihm Ängste und Scham und kümmert sich um die Sedierung. Während der Endoskopie hat diese Pflegekraft immer ein Auge auf den Patienten und behält seine Vitalwerte im Blick. Auch die Dokumentation gehört hier zu den Aufgaben. Anders als im OP ist die Pflegekraft auch nach dem Aufwachen für den Patienten da. „Für diese Position braucht man sehr viel Einfühlungsvermögen“, erklärt Stephanie Beier. „Viele Patienten haben Angst vor der Untersuchung oder empfinden Scham. Unsere Aufgabe ist es, für den Patienten da zu sein und ihm diese zu nehmen“, ergänzt die gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin. „Man ist sehr nah dran am Patienten und erfährt sehr viel Dankbarkeit“, so die Wahl-Recklinghäuserin, die Mutter einer Tochter ist.

Endoskopiepflegerin beruhigt einen Patienten vor dem endoskopischen Eingriff

Stephanie Beier beruhigt vor der Untersuchung einen Patienten.

Technische Expertise

Die zweite Pflegekraft bereitet die Instrumente vor und reicht diese dem untersuchenden Arzt auf Ansage an. Und sie benutzt diese auch. Denn der Untersucher hält und führt das Endoskop, weshalb er nicht die Instrumente im Arbeitskanal des Endoskops bedienen kann. Wenn der Arzt zum Beispiel einen Polypen sieht, den er entfernen möchte, schiebt die Pflegekraft eine Schlinge in den Arbeitskanal vor. Sagt der Untersucher „auf“ öffnet die Pflegekraft die Schlinge, die dann am Polyp angesetzt wird. „Hier ist technisches Know-How gefragt. Die Pflegekraft muss wissen, wie die Instrumente zu bedienen sind und vorausschauend denken“, erklärt Stephanie Beier. 

Arbeit auf Augenhöhe

Damit alle fit in jeder Position bleiben und es abwechslungsreich für alle Pflegekräfte ist, wird zwischen den Rollen in der Regel nach jeder Untersuchung gewechselt. Auch zwischen den einzelnen Untersuchungsräumen wird regelmäßig rotiert, da in den verschiedenen Räumen unterschiedliche Untersuchungen stattfinden. Die Zusammenarbeit im Team ist sehr eng, nicht nur unter den Pflegekräften, sondern auch mit den Ärzten. „Ich kann ohne den Arzt nicht glänzen, aber der Arzt ohne mich auch nicht“, weiß Stephanie Beier. „Es ist eine Arbeit auf Augenhöhe.“ Der Patient steht bei der Arbeit immer im Fokus. Um Patienten zu helfen, werden auch manchmal unkonventionelle Wege eingeschlagen. Ideen dafür sind auch von Pflegekräften stets willkommen. „Wir hatten zum Beispiel einen Patienten mit einer so stark zugeschwollenen Speiseröhre, dass er nicht mehr schlucken konnte. Eine Aufdehnung der Speiseröhre war über den Mund nicht möglich. Schließlich sind wir über den Magensonden-Eingang über die Haut in die Speiseröhre vorgedrungen und konnten von dort die Speiseröhre aufdehnen,“ erinnert sich Stephanie Beier.

Endoskopische Untersuchung

Stephanie Beier reicht Dr. Viktor Rempel, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie des St. Anna Hospital Herne, ein Instrument für eine Magenspiegelung an. Die Zusammenarbeit im Team ist sehr eng, nicht nur unter den Pflegekräften, sondern auch mit den Ärzten.

Dem Patienten die OP ersparen

Die technischen Möglichkeiten in Kombination mit der Hilfe für den Patienten waren es, die die heute 41-Jährige von der Endoskopie überzeugt hatten: „Man kann heute so viele Behandlungen endoskopisch durchführen, die einem Patienten eine Operation ersparen. Mit den Jahren haben wir immer mehr onkologische Patienten und wir konnten schon in so vielen Fällen helfen“, freut sich Stephanie Beier. Wenn es mal nicht endoskopisch klappt, kann das frustrierend sein. Doch auch hier gibt sich das Team gegenseitig Rückhalt.

Besondere Behandlungsverfahren als Teil des Arbeitsalltags

Eine Methode, mit der Krebsgeschwüre in frühen Stadien oft endoskopisch entfernt werden können, ist die Endoskopischen Submukosadissektion, kurz ESD. Sie ist eins der Steckenpferde der Klinik für Gastroenterologie des St. Anna Hospital Herne. Die medizinische Fachabteilung liegt unter den Top 10 im bundeweiten ESD-Register, das Kliniken mit besonders viel Erfahrung in diesem Bereich auflistet und hat das Verfahren als eine der Ersten in Deutschland angewendet hat. Auch dieses besondere Verfahren führen Stephanie Beier und ihr Team regelmäßig gemeinsam mit den Ärzten durch.

Arbeiten in einem modernen Umfeld 

Diese Modernität war auch einer der Gründe, warum sich Stephanie Beier 2005 dafür entschieden hat, die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin in dem Wanner Krankenhaus anzufangen. Seitdem bleibt sie dem St. Anna Hospital Herne treu. Nach der Ausbildung war die gebürtige Gelsenkirchnerin zunächst in der Ambulanz tätig bevor sie in die Endoskopie gewechselt ist. Hier hat sie zunächst einen Tag hospitiert und war direkt begeistert. Wie das Schicksal es so wollte, war kurz darauf eine Stelle frei, die sie dann antrat. Die unterschiedlichen Aufgaben lernt man hier unter fachkundiger Anleitung des Teams. Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Fortbildungskurse, die am Campus der St. Elisabeth Gruppe angeboten werden. Drei Fortbildungskurse zählen als Grundlage, um in einer Endoskopieabteilung arbeiten zu können. Dazu zählen der Strahlenschutzkurs, der Sedierungskurs und der Sachkundelehrgang, die Stephanie Beier alle absolviert hat. Zusätzlich hat sie 2025 die Fachweiterbildung für Endoskopiepflege erfolgreich abgeschlossen.

Was ist ein Endoskop?

Ein Endoskop ist ein medizinisches, schlauchförmiges Instrument, das zur Untersuchung von Körperhöhlen und Hohlorganen dient. Es wird in der Regel durch natürliche Öffnungen, wie den Mund oder den After eingeführt. Ein Endoskop ist nur wenige Zentimeter dick und besteht meist aus einer Lichtquelle und einer Kamera. Die Bilder lassen sich live auf einen Bildschirm übertragen. Über einen speziellen Arbeitskanal im Endoskop können spezielle Instrumente wie Schlingen oder Zangen eingeführt werden. Endoskope werden zur Diagnose, Gewebeentnahme (Biopsie) oder für minimalinvasive Eingriffe eingesetzt.