Pflege in der Rheumatologie: Individuelle Versorgung für komplexe Krankheitsbilder

Annett Teerhöfer arbeitet als Pflegefachkraft im Rheumazentrum Ruhrgebiet und begleitet dort Menschen mit unterschiedlichsten rheumatischen Erkrankungen. Ihre Arbeit unterscheidet sich deutlich von der Pflege in vielen anderen medizinischen Fachbereichen – vor allem, weil Rheuma kein einzelnes Krankheitsbild ist, sondern ein Sammelbegriff für über hundert verschiedene Erkrankungen mit sehr individuellen Verläufen.

Individuelle Pflege statt fester Routinen

Ein zentraler Bestandteil ihrer Tätigkeit ist die individuelle Einschätzung jedes einzelnen Patienten. Rheumatische Erkrankungen äußern sich sehr unterschiedlich: Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Fatigue oder Hautveränderungen können in wechselnder Intensität auftreten. Der Begriff Rheuma kommt aus dem Griechischen und bedeutet ‚fließen‘ – was gut beschreibt, dass sich rheumatische Beschwerden oft im ganzen Körper zeigen können. Für Annett Teerhöfer bedeutet das, dass es keine festen Pflegeroutinen gibt. „Wir müssen die Maßnahmen täglich – oft sogar mehrfach am Tag – neu anpassen“, erklärt die Pflegefachkraft.

Besonders herausfordernd ist das dynamische Schmerzgeschehen. Schmerzen können sich abhängig von Entzündungsaktivität, Belastung oder äußeren Einflüssen wie Wetter rasch verändern. Pflege heißt hier, genau zu beobachten, Veränderungen ernst zu nehmen und Maßnahmen wie Lagerung, Kühlung, Bewegung oder die Anpassung des Medikamentenmanagements eng mit dem ärztlichen Team abzustimmen.

Pflege als Frühwarnsystem

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im frühen Erkennen von Komplikationen. Gerade bei entzündlich-autoimmunen Erkrankungen wie Vaskulitiden übernimmt die Pflege eine wichtige Rolle als Frühwarnsystem. Veränderungen von Blutdruck, Haut, Urinausscheidung oder neu auftretende Beschwerden müssen schnell erkannt und weitergeleitet werden, da sie Hinweise auf Verschlüsse organversorgender Arterien sein können – mit möglichen Komplikationen an Niere, Lunge oder Auge.

Je nach Erkrankung variieren die pflegerischen Aufgaben stark:

  • Bei degenerativen Erkrankungen wie Arthrose stehen Schmerzlinderung, gelenkschonende Bewegung und Mobilität im Vordergrund.
  • Bei systemischen Erkrankungen wie Lupus erythematodes gehören eine engmaschige Beobachtung der Urinausscheidung wegen möglicher Nierenbeteiligung oder eine Beratung zum Sonnenschutz zum Pflegealltag.
  • Bei Stoffwechselerkrankungen mit Gelenkbeteiligung wie Osteoporose ist eine Sturzprofilaxe notwendig, da es zu Spontanfrakturen kommen kann.
  • Bei primären Schmerzerkrankungen wie Fibromyalgie liegt der Fokus auf dem Umgang mit chronischen Schmerzen und Erschöpfung – etwa durch Bewegung, Entspannung, Schlafhygiene und psychosoziale Unterstützung.

Zusammenarbeit auf Augenhöhe – auch mit den Patienten

Viele Patienten leben seit Jahren oder Jahrzehnten mit Rheuma und sind daher sehr erfahren im Umgang mit ihrer Erkrankung. „Die Pflegefachkraft sollte diese Selbstkompetenz ernst nehmen und partnerschaftlich begleiten“, so Annett Teerhöfer. „Zuhören, Aufklären und empathische Unterstützung sind dabei genauso wichtig wie fachliches Wissen.“

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Pflege in der Rheumatologie funktioniert nur im engen Austausch mit anderen Berufsgruppen wie Ärzten, Physio- und Ergotherapeuten sowie Psychologen. Die Pflege fungiert dabei oft als verbindendes Element zwischen den Disziplinen und den Patienten.

Pflege von Menschen mit einer chronischen Erkrankung

Was die Arbeit von Annett Teerhöfer besonders prägt, ist die langfristige Begleitung chronisch kranker Menschen. Rheuma verläuft in Schüben, ist nicht heilbar und beeinflusst viele Lebensbereiche. Pflege bedeutet daher nicht nur medizinische Versorgung, sondern auch das Auffangen von Ängsten, den Umgang mit Unsicherheit und die Unterstützung im Alltag. „Für Menschen mit Rheuma ist kein Tag wie der andere, und das gilt auch für uns in der Pflege“, betont Annett Teerhöfer.