„Das duale Pflegestudium war die beste Entscheidung meines Lebens“
Ursprünglich absolvierte Hayriye Koc eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten und arbeitete später jahrelang bei der Stadt Herne. Der Wunsch nach Veränderung entstand durch eine persönliche Erfahrung: Als ihr Vater schwer erkrankte und gepflegt werden musste, bekam sie einen intensiven Einblick in den Pflegealltag. Dabei wurde ihr bewusst, wie wichtig eine fachlich kompetente Pflege ist, bei der der Mensch im Fokus steht.
Diese Erfahrung prägte sie nachhaltig und weckte den Wunsch, selbst aktiv dazu beizutragen, Menschen zu unterstützen und Pflege mitzugestalten.
Zahlreiche Perspektiven dank einem dualen Ansatz
Dass Hayriye Koc bereits das Abitur absolviert hatte, erleichterte den Einstieg. Nach intensiver Recherche wurde sie auf das duale Studienangebot aufmerksam und bewarb sich kurzfristig sowohl für den Studienplatz als auch für einen Ausbildungsplatz bei der St. Elisabeth Gruppe. Wenig später stand fest: Der Neustart kann beginnen.
Das duale Pflegestudium bot genau die Kombination, die sie suchte: praktische Ausbildung, wissenschaftliche Inhalte und gleichzeitig eine Vergütung. Außerdem eröffnen sich durch den Bachelorabschluss zahlreiche berufliche Perspektiven – etwa in der Pädiatrie, also der Pflege von Kindern und Jugendlichen in Kliniken oder Praxen, im Pflegemanagement, in der Lehre oder an der Schnittstelle zwischen Pflege und Verwaltung.
„Ich wollte keine einfache Ausbildung machen, sondern mir schwebte direkt eine akademische Laufbahn im Pflegebereich vor“, erzählt sie.
Die Entscheidung fiel ihr trotz aller Überzeugung nicht leicht. Schließlich bedeutete das Studium nicht nur einen beruflichen Wechsel, sondern auch eine große Veränderung für die gesamte Familie. Umso wichtiger war die Unterstützung ihres Umfelds – insbesondere ihres Mannes und ihrer Schwiegereltern, die sie bis heute im Alltag entlasten.
Zwischen Hörsaal, Station und Familienleben
Die Tage beginnen früh und sind eng getaktet. Vorlesungen an der Hochschule Bochum, praktische Übungen am Campus und Praxiseinsätze im Krankenhaus wechseln sich mit Selbstlernphasen ab. Dazu kommen Familienorganisation, Haushalt und Kinderbetreuung.
Besonders die Praxiseinsätze im Frühdienst erfordern viel Organisation innerhalb der Familie. Während Hayriye Koc bereits morgens um sechs Uhr auf der Station sein musste, unterstützte ihr Schwiegervater zuhause bei der Betreuung der Kinder. Trotz der organisatorischen Herausforderungen empfindet sie den Schritt bis heute als richtig.
Gerade nach vielen Jahren im Berufsleben sei die Rückkehr zum Lernen zunächst ungewohnt gewesen. Sich wieder intensiv mit theoretischen Inhalten auseinanderzusetzen und sich regelmäßig auf Prüfungen vorzubereiten, habe Zeit gebraucht. Inzwischen genießt sie es jedoch, neues Wissen aufzubauen und die Zusammenhänge im Pflegealltag besser zu verstehen.
Theorie und Praxis greifen im dualen Pflegestudium ineinander
Die enge Verzahnung von Theorie und Praxis im Studium empfindet Hayriye Koc als besonders positiv. Bereits vor den ersten Praxiseinsätzen wurden die Studierenden intensiv auf typische pflegerische Tätigkeiten vorbereitet.
Dadurch fühlte sich die duale Studentin gut vorbereitet, als sie erstmals auf einer Station eingesetzt wurde. Während ihrer Praxiseinsätze in der Kardiologie und Pädiatrie konnte sie viele Erfahrungen sammeln und gleichzeitig erleben, wie komplex und vielseitig der Pflegeberuf tatsächlich ist.
Die Arbeit mit Kindern hat sie nachhaltig begeistert. Schon vor dem Studium stand für sie fest, dass sie später gerne in der Pädiatrie arbeiten möchte. Durch ihre vorherige Tätigkeit im Umfeld einer Förderschule hatte sie bereits erlebt, wie viele Kinder gesundheitliche Einschränkungen oder chronische Erkrankungen haben.
Im Praxiseinsatz wurde ihr Wunsch weiter bestärkt. Vor allem die intensive Begleitung von Kindern und ihren Familien empfindet sie als sinnstiftend.
Ein Erlebnis ist ihr dabei besonders im Gedächtnis geblieben: die Betreuung eines Frühchens mit angeborenem Nierenfehler. Gemeinsam mit dem Team begleitete sie Mutter und Kind während der Behandlung. Nach einigen Tagen konnte das Baby stabilisiert werden und nach Hause zurückkehren.
„Zu wissen, dass man selbst einen kleinen Teil dazu beigetragen hat, dass es einem Kind wieder besser geht – das ist ein unglaublich schönes Gefühl.“
Gleichzeitig habe sie im Studium gelernt, wie anspruchsvoll die Abläufe im Krankenhausalltag tatsächlich sind. Viele Prozesse, Zeitdruck und organisatorische Anforderungen würden von außen oft unterschätzt. Umso wichtiger sei gegenseitiges Verständnis – sowohl innerhalb des Teams als auch im Kontakt mit Patienten und Angehörigen.
Auch emotional belastende Situationen gehören zum Pflegealltag dazu. Besonders Erlebnisse aus der Pädiatrie hätten ihr gezeigt, wie wichtig es ist, Berufliches verarbeiten zu können und sich mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen.
Trotz aller Herausforderungen blickt Hayriye Koc mit großer Zufriedenheit auf ihre Entscheidung zurück. Der Schritt aus der Komfortzone habe Mut gekostet – gleichzeitig habe er ihr gezeigt, dass berufliche Veränderung jederzeit möglich ist.
Heute ist sie sich sicher: Den Wunsch nach einem Neuanfang aufzuschieben, wäre der größere Fehler gewesen.