Wo Teamarbeit Leben verändert: Der Alltag einer Operationstechnischen Assistenz (OTA) im OP
Damals war die OTA-Ausbildung noch vergleichsweise neu und vielen jungen Menschen kaum bekannt. Während früher zunächst eine Pflegeausbildung absolviert und anschließend eine Fachweiterbildung für den OP angeschlossen wurde, bietet die OTA-Ausbildung heute einen direkten Einstieg in die Arbeit im Operationsbereich.
Für Julia Kreutz war schnell klar, dass sie genau diesen Weg einschlagen wollte. Die Entscheidung für die St. Elisabeth Gruppe fiel bewusst. Ausschlaggebend war die Möglichkeit, während der Ausbildung in mehreren Häusern und unterschiedlichen Fachabteilungen eingesetzt zu werden. Heute arbeitet sie im St. Anna Hospital als stellvertretende Leitung im OP-Bereich.
Zwischen OP-Tisch und Organisation
Der Schritt in eine Leitungsfunktion war für Julia Kreutz keine Selbstverständlichkeit. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie zunächst im OP-Alltag, übernahm Bereitschaftsdienste und sammelte umfangreiche Erfahrungen in unterschiedlichen Fachbereichen. Als sich die Möglichkeit bot, eine Leitungsfunktion zu übernehmen, traf die Bochumerin die Entscheidung nicht leichtfertig: „Mir ist persönliche Weiterentwicklung sehr wichtig. Ich möchte nicht auf der Stelle stehen bleiben und immer wieder neue Herausforderungen annehmen. Gleichzeitig war mir aber auch klar, dass ich den direkten Kontakt zu Patienten und Kollegen nicht verlieren möchte“, erzählt Julia Kreutz.
Mit der neuen Aufgabe verlagerte sich ein Teil ihres Arbeitsalltags hinter die Kulissen. Organisation, Personalplanung und die Koordination von Abläufen gehören inzwischen ebenso zu ihren Aufgaben wie die Arbeit im OP.
Wer an den Beruf Operationstechnischen Assistenz (OTA) denkt, hat häufig das Bild einer Person vor Augen, die Instrumente reicht und den Operateur unterstützt. Tatsächlich steckt deutlich mehr dahinter. Schon während der Ausbildung wird umfangreiches medizinisches Wissen vermittelt. Anatomie, Krankheitsbilder, Operationsverfahren und Hygienestandards gehören zum Alltag. „Wir haben immer gesagt: Das ist fast ein halbes Medizinstudium, was wir hier machen“, erinnert sie sich schmunzelnd.
Aber gerade diese Mischung aus Theorie und Praxis macht den Beruf für Julia Kreutz so spannend. Das notwendige Fachwissen dient nicht nur dazu, Abläufe zu verstehen, sondern auch, um in kritischen Situationen schnell und richtig reagieren zu können.
Wenn Teamarbeit über alles entscheidet
Der OP ist ein Ort, an dem niemand allein arbeitet. Jede Operation ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen. Besonders eng ist die Abstimmung zwischen den beiden OTA-Rollen im Saal: dem Instrumentierenden und dem Springer. Während der Instrumentierende steril am OP-Tisch arbeitet und den Operateur direkt unterstützt, übernimmt der Springer die Organisation im Hintergrund, bedient Geräte, dokumentiert und sorgt dafür, dass alle benötigten Materialien rechtzeitig verfügbar sind.
Nur wenn beide perfekt zusammenarbeiten, funktioniert der Ablauf reibungslos. Für Julia Kreutz ist genau das einer der größten Vorteile ihres Berufs: „Die Teamarbeit ist bei uns das A und O. Alleingänge funktionieren im OP einfach nicht“, sagt sie. Dieses Vertrauen wird besonders in schwierigen Situationen wichtig. Nicht jede Operation verläuft wie geplant. Komplikationen und Notfälle gehören zu den Erfahrungen, die niemand gerne macht.
In solchen Momenten zeigt sich die besondere Stärke des Teams. Niemand bleibt mit belastenden Erlebnissen allein.hwierigen Situationen oder Supervision nehmen dabei einen großen Stellenwert ein.
Konzentration von der ersten bis zur letzten Minute
Ein Arbeitstag beginnt früh. Nach dem Umziehen folgt die Frühbesprechung, in der die Teams den Operationssälen zugeteilt werden und die geplanten Eingriffe des Tages besprechen. Anschließend beginnt die Vorbereitung. Instrumente werden bereitgelegt, Materialien kontrolliert und die Abläufe abgestimmt. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Patientenidentifikation. Vor jeder Operation wird noch einmal überprüft, ob Name, Eingriff, Allergien und Vorerkrankungen korrekt dokumentiert sind.
Und auch während der Operation bleibt höchste Konzentration gefragt. Jeder Handgriff muss sitzen, gleichzeitig können sich Situationen innerhalb von Sekunden verändern. Genau diese Mischung aus Routine und Unvorhersehbarkeit macht für die 29-Jährige den Reiz des Berufs aus. Kein Patient ist wie der andere, keine Operation verläuft exakt gleich.
Mehr Kontakt zu Patienten als viele denken
Viele Menschen gehen davon aus, dass OTAs ausschließlich im Operationssaal arbeiten und kaum Kontakt zu Patienten haben. Die Realität sieht anders aus. Bereits vor der Operation begleiten sie die Patienten, beantworten Fragen und sorgen für Sicherheit in einer oft belastenden Situation.
Hinzu kommt, dass heute viele Eingriffe unter Lokal- oder Regionalanästhesie durchgeführt werden. Die Patienten bleiben dabei wach und verfolgen die Operation teilweise sogar auf einem Monitor. Dann erklären OTAs Abläufe, beantworten Fragen und begleiten die Patienten durch den Eingriff. Für Julia Kreutz gehört genau dieser menschliche Aspekt zu den schönsten Seiten ihres Berufs.“
Warum es nie langweilig wird
Was sie nach all den Jahren noch immer motiviert? Vor allem die Abwechslung. An manchen Tagen stehen komplexe chirurgische Eingriffe auf dem Programm, an anderen orthopädische Operationen. Besonders gern arbeitet sie im Bereich der Endoprothetik und Unfallchirurgie. „Bei Knochen-OPs ist oft viel handwerkliches Geschick gefragt. Das macht mir einfach Spaß“, schildert sie.
Gleichzeitig sind es oft die kleinen Erfolge, die in Erinnerung bleiben: ältere Patienten, die nach einem schweren Sturz wieder mobil werden, Menschen, denen durch eine Operation Lebensqualität zurückgegeben werden kann, oder einfach ein Arbeitstag, an dem alle Abläufe perfekt ineinandergreifen.
Eine Ausbildung für Menschen mit Motivation
Wer sich für die OTA-Ausbildung interessiert, sollte sich bewusst sein, dass der Beruf anspruchsvoll ist. Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit gehören zu den wichtigsten Voraussetzungen. Gleichzeitig bietet die Ausbildung die Chance auf einen abwechslungsreichen Beruf mit vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten.
Für Julia Kreutz steht fest, dass sie diesen Weg jederzeit wieder einschlagen würde. Die Position als stellvertretende Leitung im OP-Bereich ist bereits der nächste Schritt ihrer beruflichen Entwicklung. Und weitere Möglichkeiten werden folgen. Denn eines hat sie in den vergangenen Jahren gelernt: Stillstand gibt es im OP nicht – und genau das macht den Beruf für sie so besonders.