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Ein Mann, ein Telefon, 12 OP-Säle – Einblicke in den Alltag einer OP-Leitung

Donnerstagmorgen, 06.00 Uhr. Kaum ein Geräusch ist in den noch leeren Fluren des OP-Trakts zu hören – außer einem klingelnden Telefon. Während anderswo um diese Zeit der erste Kaffee beim Wachwerden hilft, ist Michael Kettler in seinem Büro bereits voll in seinem Element. Bis zum Feierabend wird das Telefon des OP-Leiters des St. Anna Hospital Herne noch sehr oft klingeln, und er wird dafür sorgen, dass der vollgepackte OP-Alltag reibungslos läuft.

Der erste Blick von Michael Kettler, wenn er morgens ins Büro kommt, geht auf den OP-Plan. Hat sich die Planung des Vortages geändert? Sind Notfälle dazwischen gerutscht? Fast immer lautet die Antwort: ja. Dann beginnt das alltägliche Zuordnen von Patienten, Operationen, Operationssälen und Personal von neuem.

Schema F gibt es nicht – individuelle Fallplanung

Jede Operation wird individuell für den Patienten geplant und zusammengestellt: „Ein Schema F gibt es nicht, auch wenn das viele Leute glauben. Es beginnt schon bei Details wie z. B. speziellem, einzeln zu bestellendem Material, wie Netzen, Implantaten oder Schrauben“, so der 54-Jährige. Zwölf OP-Säle gibt es im St. Anna Hospital Herne, täglich finden über 50 Eingriffe statt. Als Michael Kettler 1990 seinen Dienst in der Wanne-Eickeler Klinik als Pfleger im OP antrat, umfasste der Trakt vier Säle. Mit dem Ausbau des Krankenhauses ist auch der OP-Bereich gewachsen.

Ein Job ohne Langeweile

Bei den vielen verschiedenen Anforderungen an die OP-Planung den Überblick zu behalten, erfordert jahrelange Erfahrung. Michael Kettler bringt nichts mehr so schnell aus der Ruhe – das ständige Reagieren auf Veränderungen gehört für den fachweitergebildeten OP-Pfleger zum Tagesgeschäft. „Das ist ein Aspekt meines Berufs, den ich sehr schätze: Man plant von einem Tag zum anderen, es wird nicht langweilig und es gibt ständig etwas Neues“, sagt er.

Abteilungsübergreifende Zusammenarbeit

Bevor um kurz nach sieben die Teamsitzung beginnt, um die Planung für den Tag zu besprechen, sichtet der OP-Leiter, was noch an Organisatorischem vom Vortag zu erledigen ist. Zwischendurch klingelt immer wieder das Telefon. Es muss noch Verschiedenes bestellt und Angebote für Material verhandelt werden, die Medizintechnik benötigt eine Info, weil sie sich um die Wartung und Reparatur von Geräten kümmern soll. Es stehen mehrere interne Termine mit anderen Abteilungen aus dem Haus wie Einkauf, Pflegedienstleitung und Geschäftsleitung an.

Reibungslose Abläufe als A und O

Wieder greift Kettler zum Telefon. Dieses Mal, um kurze Absprachen mit den operierenden Ärzten zu treffen und die ersten Patienten für die Operationen von den Stationen einzubestellen. Ab 07.45 Uhr läuft der OP-Betrieb – im Idealfall nahtlos. Daher ist es wichtig, dass auch die Stationen ganz genau wissen, wann sie den Patienten zum OP bringen müssen. Verspätungen bedeuten Verschiebungen. „Das ganze System hier funktioniert nur dann, wenn alle Abteilungen des Krankenhauses miteinander arbeiten. Dafür ist eine gute Kommunikation untereinander sehr wichtig.“

Es funktioniert nur im Team

Inzwischen haben sich auch die Flure gefüllt. Ein Teil des über 30-köpfigen OP-Pflege-Teams sammelt sich im Besprechungsraum. Jetzt geht es um die Tagesplanung, Neuigkeiten, Fragen. Die Zufriedenheit seines Teams ist dem OP-Leiter ein besonderes Anliegen: „Ich lege großen Wert darauf, dass meine Mitarbeiter zufrieden zur Arbeit kommen und auch zufrieden wieder gehen. Ohne motivierte Kollegen läuft es nicht. Dafür sorge ich zwischendurch mit einem Spaß auch mal für gute Laune.“ Fairness gegenüber den Kollegen steht auch bei der Koordination von Dienst- und Urlaubsplänen im Mittelpunkt. „Ich gebe mir größte Mühe, alle gleich zu behandeln“, so der OP-Leiter.

Steckenpferd: Preisverhandlungen

Nachdem sich das Team auf die OP-Säle verteilt hat und die ersten Operationen angelaufen sind, sitzt Michael Kettler wieder am Computer. Das Telefon klingelt. Es geht um die Nachbestellung von Verbrauchsmaterial. Die Wirtschaftlichkeit im Blick zu behalten, ist eine weitere Herausforderung des OP-Leiter-Berufs. Glücklicherweise bezeichnet Michael Kettler Preisverhandlungen für Instrumente, Prothesen und vieles andere als sein Steckenpferd – zum Leidwesen seiner Ansprechpartner. 

Den nächsten Tag im Blick

Ab 10.00 Uhr gibt es den ersten Vorplan für die Operationen am folgenden Tag, der sich aus der Terminplanung der Ambulanzen ergibt. Nun beginnt für Michael Kettler wieder das Bausteine zusammenlegen, damit die Mitarbeiter der Ambulanzen, die Operateure und die Stationen wissen, wer am nächsten Tag mit welcher OP in welchem Saal startet. Um 15.00 Uhr steht der endgültige Plan.

Feierabend hat der OP-Leiter dann, wenn er sicher ist, dass der Rahmen für den nächsten Tag vorbereitet ist: „Das tägliche Pensum an Aufgaben ist eine Herausforderung dieses Jobs. Aber es ist natürlich auch befriedigend, wenn man am Ende des Tages weiß, dass man es geschafft hat.“ Das Telefon klingelt. Zum letzten Mal für heute.

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