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28.04.2021

Nach 96 Tagen endlich wieder frei atmen – Besonderer Behandlungserfolg auf der Intensivstation des Marien Hospital Herne

Prof. Dr. Ulrich Frey, Direktor (l.) und Dr. Christian Draese, Oberarzt (r.) der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Schmerz- und Palliativmedizin des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, zeigen ein ECMO-Gerät, das auch zur Behandlung von Patienten mit Covid-19 genutzt wird.

Rund um das Coronavirus kursieren viele schlechte Nachrichten – aber es gibt auch in diesen Zeiten positive Neuigkeiten: Das Team der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Schmerz- und Palliativmedizin des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum zeigt, dass eine Genesung von Covid-19 auch nach einem schweren Krankheitsverlauf und wochenlanger künstlicher Beatmung möglich ist. Nach 3 Monaten konnte ein besonders schwer erkrankter Patient nun die Intensivstation wieder verlassen.

„Der Patient kam Anfang des Jahres zu uns auf die Intensivstation, nachdem er zunächst mit Covid-19-typischen Symptomen, wie Luftnot und allgemeiner Abgeschlagenheit, im St. Anna Hospital Herne aufgenommen wurde“, erzählt Prof. Dr. Ulrich Frey, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Schmerz- und Palliativmedizin. Innerhalb kürzester Zeit verschlechterte sich der Zustand des 64-Jährigen jedoch drastisch, weshalb er in das Marien Hospital Herne überwiesen und dort auf die Intensivstation verlegt wurde, wo er dann künstlich beatmet werden musste. „Die Verlegung ins Marien Hospital Herne geschah vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass hier die Anwendung eines Lungenersatzverfahrens – der sogenannten ‚ECMO‘ – möglich ist“, erklärt Dr. Christian Draese, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Schmerz- und Palliativmedizin.

Beatmung außerhalb des Körpers

Die extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) ersetzt die Lungenfunktion für Patienten, die auch mit maschineller Unterstützung nicht mehr selbstständig atmen können. Dabei wird das Blut außerhalb des Körpers durch eine Membran gepumpt und dort mit Sauerstoff angereichert sowie von Kohlendioxid befreit. Der Patient befindet sich dabei in einem künstlichen Koma. „Die ECMO macht die Lunge allerdings nicht wieder gesund, sondern dient nur dazu, diese zu entlasten und dem Körper eine Möglichkeit zu bieten, sich zu regenerieren“, sagt Dr. Draese. Das Team der Intensivstation behandelte währenddessen vor allem die Lunge des Patienten, die durch Entzündungen angeschwollen und stark in ihrer Funktion beeinträchtigt war. Aber auch die Auswirkungen der Erkrankung auf andere Organe standen im Fokus der Mediziner. „Die Entzündungen hatten nicht nur die Lunge angegriffen, sondern auch andere Organe wie Niere und Leber sowie das Nervensystem des Patienten erreicht. In diesem Fall sprechen wir von einer Critical-Illness-Polyneuropathie“, erklärt Prof. Frey. Zudem brachten die Pflegekräfte den Familienvater regelmäßig unter großem Aufwand von der Bauch- in die Rückenlage und wieder zurück, um die Sauerstoffaufnahme der Lunge zu verbessern.

Außergewöhnlicher Behandlungserfolg

Nach etwa 6 Wochen unter der Lungenersatztherapie konnten die Mediziner den Patienten langsam wieder an das selbstständige Atmen gewöhnen. Nach Beendigung der ECMO-Therapie wird die Atmung zunächst erneut maschinell unterstützt. Dabei wird der Körper Stück für Stück daran gewöhnt, wieder selbst zu atmen. „Zudem mobilisieren Physiotherapeuten und Pflegekräfte die Patienten regelmäßig, da sich durch die lange Zeit im Bett ein Großteil der Muskulatur zurückgebildet hat, nicht nur in der Lunge“, erklärt Lars Märker, Leitung der Intensivstation.

Unterstützung auch von der Familie

Neben dem Team der Intensivstation stand dem Patienten während der Zeit im Krankenhaus auch seine Familie unterstützend zur Seite. „Die Angehörigen haben sich regelmäßig nach seinem Befinden erkundigt und im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles getan, um die Heilung zu unterstützen“, erzählt Märker. Gerade in der Zeit nach der ECMO-Therapie habe dies dem 64-Jährigen gutgetan. Da der Patient nun wieder selbstständig und ohne Beatmungsmaschine atmen kann, wird er in eine Rehabilitationseinrichtung entlassen, um dort weiter zu genesen. „Geschichten wie diese motivieren uns als Team, jeden Tag unser Bestes für alle Patienten zu geben, auch wenn es einmal schlecht aussehen sollte“, freut sich Prof. Frey über den außergewöhnlichen Behandlungserfolg.

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