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Karriere & Bildung

Berufseinblick Logopädie

Was macht eigentlich eine Logopädin?

Bestimmt hat jeder schon mal etwas von Logopädie gehört. Fragt man, was ein Logopäde/eine Logopädin eigentlich macht, fällt es vielen schwer, dieses Berufsfeld zu beschreiben. "Irgendwas mit Sprache" bekommt man häufig als Antwort zu hören. Die Erklärung von Leonie Gahlen bietet hier deutlich mehr. Die 22-Jähirge arbeitet seit November 2019 als Logopädin in der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation des Marien Hospital Herne - Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum.

Berufswunsch: Logopädin
"Über meine Cousine, die eine Ausbildung zur Logopädin abgeschlossen hat, bin ich zur Logopädie gekommen. Ihre Erfahrungen in diesem Bereich haben mich sehr fasziniert", berichtet Leonie Gahlen. Daher entschloss sie sich nach dem Abitur ein sechswöchiges Praktikum in einer Logopädiepraxis zu absolvieren. "Der Fokus lag auf der Arbeit mit Patienten, die aufgrund einer neurologischen Erkrankung wie z. B. ein Schlaganfall ihre Sprach- und Sprechfähigkeit verloren haben. Die Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht. Danach war für mich klar: Ich möchte den Beruf der Logopädin erlernen und ausüben". Anschließend entschloss sie sich für ein Logopädie-Bachelorstudium an der Hochschule für Gesundheit in Bochum, das sie nach drei Jahren erfolgreich abschloss. Im Studium vertiefte sie die Themen rund um logopädische Therapieansätze bei neurologischen Erkrankungen.

Logopädie in der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation
Abwechslungsreich, kommunikativ und herausfordernd - mit diesen drei zentralen Begriffen beschreibt Leonie Gahlen ihren Berufsalltag. Mit jedem Patienten führt sie zu Beginn ein Anamnesegespräch, um anschließend eine Diagnose zu stellen. Dabei beobachtet und analysiert sie u. a. das Sprach- und Kommunikationsverhalten des Patienten. Die Logopäden arbeiten im therapeutischen Bereich eng mit den verordnenden Ärzten und anderen Fachdisziplinen zusammen, darunter Pflegekräfte, Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten. In regelmäßigen Teamsitzungen werden die Befunde und Beobachtungen aller Patienten intensiv besprochen. Anschließend wird gemeinsam entschieden, ob eine logopädische Behandlung notwendig ist oder nicht. "Die Kommunikation und der Austausch unter den Kollegen funktioniert hier sehr gut und ist enorm wichtig, um eine für den Patienten optimale Therapie einzuleiten". Auch die Abwechslung in ihrem Beruf schätzt sie sehr. "Täglich lerne ich Patienten mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten, Geschichten und Störungsbildern kennen, was die Arbeit sehr spannend, aber manchmal auch herausfordernd macht, insbesondere bei komplexeren Störungsbildern, die nicht so häufig vorkommen. Ich erlebe meine Arbeit aber auch als sehr ermutigend, wenn ich die Motivation der Patienten sehe, wie sie Fortschritte machen und diese auch mit Freude selber feststellen."

Unterschiedliche Störungsbilder – Individuelle Therapie
Die Therapie richten sich immer nach der Art und Schwere der sprachlichen Beeinträchtigung, den persönlichen Interessen und Bedürfnissen sowie der physischen und psychischen Verfassung des Patienten. So kommen je nach Krankheitsbild unterschiedliche logopädische Therapien zum Einsatz.

Dysarthrie
"Liegt beispielsweise eine Sprechstörung (Dysarthrie) vor, d.h. ist die Koordination von Stimme, Artikulation und Atmung beeinträchtigt, können anhand bestimmter Übungen die lautlichen Realisierungen von Silben und einzelnen Wörtern und damit die Kommunikationsfähigkeit verbessert werden", erklärt die Logopädin. Auch die Vermittlung von Kompensationstechniken wie z. B. die nonverbale Kommunikation gehört zu ihren Aufgaben. "So kann der Patient trotz reduzierter sprachlicher Fähigkeiten eine Gesprächssituation erfolgreich meistern."

Aphasie
Viele Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben, leiden an der sogenannten Aphasie. Dieses Störungsbild umfasst alle Einschränkungen sprachlicher Fähigkeiten wie Sprechen, Lesen, Verstehen und Schreiben. Die Formen der Aphasie sind unterschiedlich: Einige der Betroffenen vertauschen Laute und Wörter, die anderen können keine vollständigen Sätze bilden und wieder andere leiden an Wortfindungsstörungen. "Den Betroffenen fällt es schwer, das passende Wort im Augenblick des Sprechens zu finden. Die Worte liegen ihnen auf der Zunge, aber sie können sie sprachlich nicht umsetzen, d.h. äußern. Mithilfe von verschiedenen Wortfindungsübungen kann dieser Störung entgegengewirkt werden." In den ersten sechs Wochen nach einem Schlaganfall ist eine Therapie am effektivsten. "Daher ist es wichtig, dass wir unmittelbar nach einem Schlaganfall einen Therapieplan erstellen und mit der Therapie beginnen. Durch intensives Training kann es gelingen, dass sich die Symptome zurückbilden."

Dysphagie
Zu dem häufigsten logopädischen Störungsbild, dem Leonie Gahlen in ihrem Arbeitsalltag begegnet, gehört die Schluckstörung (Dysphagie). Für Menschen, die an Schluckstörungen leiden, ist die Nahrungsaufnahme enorm erschwert und die Aspirationsgefahr, d.h. die Gefahr sich zu verschlucken, ist stark erhöht. Dysphagie tritt häufig nach einem Schlaganfall und z.B. bei der Parkinsonerkrankung auf. Festgestellt wird eine Dysphagie mithilfe von FEES. FEES steht für Funktionelle endoskopische Evaluation des Schluckens. "Bei dieser Untersuchung wird ein flexibles Kunststoff-Endoskop durch ein Nasenloch in den Rachenraum geschoben. Neben der Beurteilung des Kehlkopfes, der Stimmlippen und des unteren Rachens, wird der Patient gebeten, verschiedene Laute zu produzieren, den Atem anzuhalten oder zu husten. Die Bewegungen, die dabei zu beobachten sind, werden anschließend beurteilt." Zudem wird der Schluckvorgang getestet. Je nach individuellem Befund bekommt der Patient verschiedene Konsistenten - von fest bis flüssig - angeboten. Damit Flüssigkeiten und Nahrungsmittel auf dem Bildschirm gut sichtbar sind, werden diese mit grüner Lebensmittelfarbe eingefärbt. Wird eine Dysphagie festgestellt, wird in der Regel die Ernährungsform und die Auswahl des Nahrungsangebotes individuell an den Patienten angepasst. "Meine Aufgabe besteht hier u. a. darin, gemeinsam mit dem Patienten verschiedene Konsistenzen auszuprobieren und herauszufinden, welche die beste Kostform für ihn ist. Es ist schön zu sehen, dass bereits mit einer kleinen Anpassung der Ernährung die Lebensqualität des Patienten gesteigert werden kann".

Die Untersuchung wird von dem behandelnden Arzt der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation in Anwesenheit eines Logopäden/einer Logopädin durchgeführt. "Diese Untersuchung ist eine sichere und aufschlussreiche Methode zur Diagnostik von Schluckstörungen, die nicht in allen geriatrischen Kliniken durchgeführt wird. In diesem Bereich möchte ich mich auch zukünftig weiterbilden, um diese Untersuchung auch eigenständig durchführen zu können. Mein Vorschlag, mich in diesen Bereich weiterzubilden, wurde hier im Team sehr gut angenommen", berichtet die Logopädin zufrieden.

Täglich neue Herausforderungen
"Für Betroffene und deren Angehörige ist eine Sprach- oder Sprechstörung zunächst einmal ein großer Schock, denn das Leben, wie man es gewohnt war, gibt es in dieser Form nicht mehr. Die Patienten müssen sich zunächst an diese Situation gewöhnen. Das kann zu Beginn die Arbeit mit dem Patienten erschweren". An dieser Stelle ist Beratungskompetenz, Einfühlungsvermögen sowie Empathie gefragt, um sich in das Gegenüber hineinzuversetzen. Wichtig für ihren Job als Logopädin sind vor allem Geduld, Offenheit sowie Spaß am Umgang mit verschiedenen Patientengruppen. Zudem sollte man über ein gutes Gehör, eine deutliche Aussprache und Analysefähigkeit verfügen, um präzise Diagnosen zu stellen und erfolgreich Therapien durchzuführen. "Unser Ziel ist es, die Kommunikationsfähigkeit des Patienten so gut wie möglich wiederherzustellen und ich bin glücklich, dass ich durch meine Arbeit einen wichtigen Teil dazu beitragen kann".

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